Eine kleine, andere Weihnachtsgeschichte! Bling-bing…es klingelt an meinen Nerven!

All das „Kling Glöckchen Klingelingelkitsch“ geht mir schon morgens auf den Zeiger! Neben Schokoladennikoläusen und Zimtsternen, die es bereits im September gibt, nervt mich das sentimentale Getue jetzt in allen Medien.

Als ich im September noch mit Flip-Flops im Supermakrt einkaufen war konnte ich die Lebkuchen im Regal kaum ertragen! Mittlerweile nerven mich auch die Arbeitskollegen, die außer Weihnachtskarten für Kunden und der eigenen Weihnachtsfeierplanung scheinbar nichts mehr im Kopf haben.

Ich bin kinderlos…also freut sich in meiner Familie auch niemand so richtig auf Weihnachten! Geschenke? Diese sind bei uns schon längst abgeschafft. Meine Eltern haben, so wie ich auch, alles! Jeder Wunsch wird sofort erfüllt und somit sind alle wunschlos glücklich, oder?

Naja, wenn ich jetzt einen Wunsch hätte wäre es, diesen Kitsch und das künstliche Friedenstamtam einfach abzuschaffen. Nächstenliebe im Zimtduft der Stern-Glückseligkeit verpackt: muss das sein?

Weihnachten ist sowieso nur ein Geschäft wie das Oktoberfest oder die Urlaubzeit! Und schließlich steht es mir doch selbst frei, ob ich beides in meinem Leben brauche und daran teilnehme, oder?

Doch um Weihnachten kommt irgendwie keiner drum herum. Meine pubertierende Patenkinder stellen fordernde Weihnachtswünsche die ich mir erst im Alter von 20 Jahren selbst stolz erfüllt habe. Die Kollegen die über die Weihnachtsfeiertage frei haben nerven mich jetzt schon mit ihren Planungen, die sie auch noch im Büro groß ausbreiten müssen. Und ich? Ich werde über die Feiertage arbeiten und bin froh um die Ablenkung!

Diesen Gedanken hänge ich jetzt nach, als ich heute meinen Wocheneinkauf in der Supermarktabteilung des Kaufhauses erledige. Während ich Eier, Brot und Nudeln in meinen Einkaufswagen staple sehe ich einen Jungen, der aus dem Regal verstohlen ein paar teure Kopfhörer in seine Hosentasche steckt. Er blickt sich nach links und rechts um und geht schnell weiter. Ich eile ihm hinterher und sehe ihm nur scharf in die Augen!

„Iss was?“ , fragt mich der ca. 14 jährige frech! „Ja, es iss was in Deiner Hose was da nicht hingehört! Und wenn Du mich nett bittest werde ich niemandem was erzählen wenn Du das Ding zurück ins Regal legst! Los mein Lieber, geklaut wird nicht!“

Peinlich berührt legt der Junge die Kopfhörer ins Regal zurück und schimpft: „Menno!“ , während er stampfend den Markt verlässt. Lächelnd werfe ich das letzte Päckchen Rosinen in meinen Wagen und stelle mich an der Kasse an.

Vor mir steht eine ca. 40jährige, etwas schäbig aussehende Frau. Sie kauft viele Grundnahrungsmittel der billigsten Klasse und hat ein quengelndes Kleinkind auf dem Arm. Genervt sagt die Kassiererin: „Die Rechnung macht 53,40 Euro, ihr Geld reicht wohl nicht! Bitte sortieren Sie jetzt genau das aus, was Sie jetzt nicht kaufen müssen!“

Die Dame scheint nicht zu verstehen. Als ich näher an sie herantrete merke ich, wie schlecht sie riecht. Die Menschen-Schlange an der Kasse wird länger und länger… „Wieviel Geld fehlt ihnen denn?“, frage ich etwas genervt aber mit einem geduldigen Ton.
„Ich nix wissen….“ sagt die Frau und sieht mich mit Tränen in den Augen an! Ich merke: mit einem 20 Euro Schein den ich zu ihrem Geld lege, kann ihre Rechnung beglichen werden. Gesagt getan!

Überrascht und erleichtert zugleich sieht mich die Dame an. Die Kassiererin ist sichtlich überrascht doch ich sage nur: „Es ist alles gut, bitte lassen Sie mich das bezuschussen!“
Nachdem wir beide bezahlt haben fällt mir die schäbig wirkende Frau mit dem Kind auf dem Arm überglücklich um den Hals: „Danke, ich zurückgeben Dir! Gott sei mit Dir!“ „Alles gut“ lächle ich nur zurück und rümpfe mir die Nase!

Am Ausgang des Supermarktes fängt mich ein Mann auf und sagt: „Ich bin so etwas wie das beobachtende Polizeiauge hier! Sind Sie immer so?“, fragt er mit einem Lächeln im Gesicht!

„Nein bin ich nicht…“, lächle ich zurück und verlasse den Laden.

Komisch: Jetzt fühlt es sich für mich ein wenig wie Weihnachten an….

Regina Gerum

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