Hart aber Fair: Kindern gehört die Welt

Montag Abend: Plasberg diskutiert mit seinen Gästen über die Frage: „Alles erreicht, dann noch ein Baby – Kinderwunsch ohne Altersgrenze?“ Die einzig wahre Antwort darauf bekommen wir Zuseher an diesem Abend natürlich nicht.

Tatsache ist: die Welt hat sich verändert. Während noch vor 50 Jahren und mehr die Lebenserwartung gerade einmal bei ca. 60 Jahren lag starten Frauen von heute mit 40+ nochmals richtig durch.

So Moderatorin Caroline Beil. Sie ist 1966 geboren und schwanger, mit einem ca. 15 Jahre jüngeren Partner liiert. Sie meint überzeugend: „Ich bin gesund und fühle mich gut. Ich habe den richtigen Partner und wir wollen unser Kind gemeinsam erziehen. Warum sollen wir nicht Eltern werden?“ Klasse! Ich finde diese Haltung zeitgemäß und mutig zugleich. Und Frau Beil sieht weiß Gott nicht aus wie eine 50jährige noch vor 20 Jahren. Sie ist jung, modern, steht mitten im Leben. Toll, dass wenn Geld keine Rolle spielt auch das sog. „egg freezing“ ( medizinisch unbegründete Einfrieren unbefruchteter Eizellen) möglich ist.

Doch auch „egg freezing“ ist Thema der Plasberg-Diskussion: Die Kosten sind nicht unerheblich: Einmalig kommen  3000 Euro, hinzu kommen Lagerungskosten von 300 Euro pro Jahr auf die Frau (das Paar) hinzu. Dabei macht es uns die USA vor: Firmen wie Apple oder Facebook ermöglichen Frauen die für ihr Unternehmen arbeiten und voll im Saft ihrer beruflichen Arbeit (ich mag das Wort Karriere nicht so sehr….) stehen, die Kosten hierfür zu übernehmen. So haben alle etwas davon: Firma und Mitarbeiter. Wann kommen wir in Deutschland auf diesen Zweig?
Reproduktionsmediziner Puchta sieht dennoch Hoffnung für junge Mütter 40+: Trotz der verbreiteten Unkenntnis habe es in den vergangenen 20 Jahren eine Verdreifachung der Schwangerschaften bei über 40-Jährigen gegeben – die meisten davon kamen doch noch auf natürlichem Wege zustande. Puchta klärt seine Patientinnen klar auch über die psychische Belastung bei der künstlichen Befruchtung auf.
Talkgast und Regisseurin Ina Borrmann outete sich als Unwissende: Nach einer Phase wo sie absolut kein Kind wollte, versuchte sie zwischen 39 und 45 vergeblich, Mutter zu werden. Ihren dramatischen Weg zum Wunschkind per Eizellenspende hat sie in dem Film „Alle 28 Tage“ dokumentiert. „Es geht nicht darum, dass man total behämmert ist, sondern eher darum, dass man das Thema gerne verschiebt.“ Natürlich muss Ina Borrmann die mit ihrem Partner hohe finanzielle Belastungen für den mühsamen Weg der künstlichen Befruchtung (inclusive fremder Eizellenspende im Ausland) eingegangen ist, Werbung für ihre Dokumentation „Alle 28 Tage“ machen. Doch das ist wenigstens ehrlich.
Um so ungerechter empfindet es die sechsfache Mutter und katholische Theologin Michaela Freifrau Heereman, dass die Industrie  den Frauen deutlich mache, es ginge immer alles zu jeder Zeit. Nein, Frau Heeremann: es wurde in der Sendung mehr als deutlich wie schwer der Weg einer künstlichen Befruchtung sein kann. Doch der Kommentar „Für die Liebe und Familie und nicht für die Karriere sollte sich die gebährfähige Frau entscheiden“, finde ich mehr als unpassend. Als 6fache Mutter kann man leicht reden. Und noch was Frau Heereman: Wir Frauen entscheiden uns nicht bewusst immer für Karriere, wenn wir mit 35 noch immer nicht schwanger waren. Oft spielen die Lebensumstände einfach nicht mit: der Partner fehlt, es kommt eine Krankheit mit langem Klinikaufenthalt dazwischen, wir sind zu lange mit dem falschen Mann liiert.

Denn die „ab 25 Jahren : Vater, Mutter Kind Rolle, danach wieder nebenbei in den Job gemütlich einsteigen“ ist längst ein Klischee, ein Märchen und einfach vorbei. Das Leben der modernen Frau läuft heute anders. Und das hat nicht nur mit dem bescheuerten Wort Karriere zu tun.

Wir Frauen müssen dem Leistungsdruck der Gesellschaft, den Vorgaben unserer Arbeitgeber und dem Zwang der Gesellschaft, zu heiraten und Kinder zu kriegen, irgendwie gerecht werden. Dabei sollten wir noch den richtigen Mann an der Seite haben und alles gleichzeitig koordinieren. Wir sind ja auch Multitasking, wir Frauen, oder?

Aber dann lasst uns bitte auch die Möglichkeit medizinische Nachhilfe beim Kinderkriegen in Anspruch zu nehmen. Und zwar dann, wann wir es wollen und für richtig halten….

Das Ausland ist uns sowieso weit weit voraus beim Thema Eizellenspende, Leihmutterschaft und Co!

Regina Gerum

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