Die Veränderung des Berufsbildes „Banker“ im Laufe der Jahre! Mut zur Veränderung?

Mein erlernter Beruf ist Bankkauffrau. In meiner Ausbildungszeit durfte ich noch Kontoauszüge einsortieren und die Kontoauszüge guten Geschäftskunden täglich persönlich vorbei bringen.

Natürlich sind diese Zeiten längst schon vorbei. Schon längst wächst auch jeder neue Geschäftskunde mit Home Banking auf. Wenn schon Kontoauszüge von der Bank aus erstellt werden, sind diese auch schon ruck zuck automatisch verschickt.

Viel besorgniserregender ist es allerdings für mich, dass ich damals eine hervorragende Schülerin war und es mehr als hoch angesehen war, den Beruf der Bankkauffrau zu erlernen. Auch später bin ich bei der Bank geblieben, konnte ich doch nebenbei Fach- und Betriebswirtin werden sowie auch andere wertvolle Weiterbildungen besuchen. Sogar meine Trainer- und Coachinglizenz bezahlte mir die Bank.

Doch nicht nur der Ruf der Bankerin sondern auch der harte Verkaufsdruck hat sich doch im Laufe der Jahre stark verändert. Du bist Banker? Im Jahre 2017 traust Du Dich das fast nicht mehr laut zu sagen, oder? Woran liegt das?

Berater müssen ihren Kunden Wertpapiere verkaufen, die sie eigentlich nicht wollen oder brauchen. Die Zinsspanne (Unterschied zwischen Guthaben- und Darlehenszinsen) hat sich sehr stark reduziert. Bei weiterhin sehr niedrigen Zinsen ist eine Besserung in Sicht.

Ein Grund mehr, warum die Banken mehr denn je auf Provisionserträge scharf sind. Diese sind vor allem im Wertpapiergeschäft üppig, doch auch Versicherungsverträge oder Gebühren im Allgemeinen sind für alle Banken wichtiger denn je.

Genau dies ist ein Grund, warum die Berater einfach den hohen Zielvorgaben gerecht werden müssen, ja vielen Kunden Anlagen verkaufen, die sie einfach nicht brauchen oder wollen. Da hilft auch das gute alte Beratungprotokoll nicht!

Dazu kommt sicherlich, dass Personalentlassungen, Zweigstellenschließungen und Rationalisierungen in der Finanzbranche an der Tagesordnung sind. Viele Banker haben Angst, ihren Job zu verlieren und verkaufen einfach die Produkte, die ihnen von Vorstandsetage vorgegeben werden. Welche Wahl haben sie auch?

Ich als Coach hatte die Aufgabe, den Beratern Verkauf beizubringen. Einwandbehandlung, Verkaufsargumentation….alles im Sinne der Bank natürlich. Hierbei war es für mich wichtig, immer die Balance zwischen Kunden- und Bankinteressen gut in den Einklang zu bringen. In einen Einklang, den ich selbst mit mir vereinbaren konnte.

Mir ist es einfach wichtig, selbst jeden Abend guten Gewissens in den Spielgel blicken zu können.

Ein Banker hat mittlerweile oft den Ruf zwischen Schwerverbrecher und Zuhälter LOL! Natürlich ist dieser nicht immer gerechtfertigt. Auch in der Finanzbranche gibt es nicht nur schwarz und weiß!

Doch ich bin täglich froh, trotz Karriere in der Welt der Finanzen der Bankenwelt den Rücken gekehrt zu haben. Meine jetzige Arbeit ist ehrlicher, klarer und irgendwie ist es schön, nicht auf die Anlagebereitschaft von anderen angewiesen zu sein.

Manchmal denke ich mir: Schade um meine Ausbilung. Doch Lernen tust Du immer fürs Leben. Und wichtig ist schließlich, dass Du Dich im  Berufsalltag rundum, oder sagen wir, mindestens zu 80% wohl fühlst. Tja, kannst Du dies genau in Deinem Job auch für Dich unterschreiben?

Ansonsten will ich alle, auch wenn sie 40 oder 45 Jahre alt oder etwas älter sind, Mut machen, Dinge im Berufsalltag zu verändern! Denn für jeden, der fleißig ist werden sich neue Chancen, neue Türen mit spannenden Perspektiven öffnen….

Viel Erfolg dabei!

Regina Gerum

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